Thema des Monats:
Interview mit Jean-Marc Brimont, Geschäftsführer von Natran Deutschland

04|2025

Interview mit Jean-Marc Brimont, Geschäftsführer von Natran Deutschland

Natürlich wartet auch die ganze energie- und klimawirtschaftliche Republik auf den Start der neuen Koalition. Das Startkapital wurde jedenfalls schon deutlich aufgestockt. 100 Mrd. Euro stehen zusätzlich im Klima- und Transformationsfonds (KTF) zur Verfügung. Allerdings wollten die vermutlichen Koalitionäre das Geld gar nicht dediziert für den Klimaschutz haben. Bündnis 90/Die Grünen haben die zusätzliche Ausstattung des KTF durchgesetzt, als „Preis” für ihre Zustimmung zu einer Grundgesetzänderung, die den Spielraum der neuen Bundesregierung zur Schuldenfinanzierung von Infrastrukturprojekten und der Landesverteidigung deutlich erhöht. Was eine neue Bundesregierung mit den Mitteln anfangen wird? Ich habe keine Ahnung! Nach der letzten Bundestagswahl war sehr klar, dass ein grüner Wirtschaftsminister sehr schnell und ambitioniert Klimaschutz vorantreiben wird. Entsprechende Konzepte hatten Think-Tanks schon vor der Wahl vorgelegt, auch das Personal wurde teilweise aus diesen Think-Tanks rekrutiert. Das ging nicht immer, aber das ist Geschichte. Aktuell ist meines Erachtens völlig unklar, woher Personen und Konzepte für die Energie- und Klimapolitik der neuen Koalition kommen sollen. Der kleinste gemeinsame Nenner der beteiligten Parteien scheint in erster Linie zu sein, dass die Strompreise „runter” müssen. Aber schon bei einem möglichen Anreizsystem für 20-GW-Gaskraftwerke zur Absicherung des Stromsystems bin ich gespannt, wie die Umsetzung aussehen wird. Ab Mai wird man vermutlich schlauer sein. In dieser Ausgabe finden Sie sowohl in dem Kapitel Rahmenbedingungen als auch in den Marktgerüchten einiges zum Stand der Diskussionen bis Ende März.

Die Installierung von fünf FSRU in Deutschland hat sich als zähes Geschäft erwiesen. In der vergangenen Ausgabe hatte ich über den Streit zwischen Bund und der deutschen Regas über die Energos Power berichtet. Im März wurde es noch absurder. Der staatliche Betreiber Deutsche Energy Terminal (DET) und der private Betreiber des zukünftigen landbasierten LNG-Terminals in Stade werfen sich gegenseitig Unfähigkeit und Vertragsbrüchigkeit vor bei dem Versuch, das FSRU Energos Force in Stade in Betrieb zu nehmen. Allein die Deutsche Umwelthilfe (DUH) verfolgt es mit gewisser Genugtuung. Aus ihrer Sicht hatte der Bund eh zu üppig geplant.

Ansonsten bestimmen zwei – im Grunde etwas absurde – Fragen den Gashandelsalltag: Wann kommt über welche Route wieder mehr russisches Gas und wie soll im Sommer die Speicherbefüllung erfolgen?

Langweilig wird der Gasmarkt nicht. Viel Spaß bei der Lektüre!

Portrait von Dr. Heiko Lohmann

Unterschrift von Dr. Heiko Lohmann

Dr. Heiko Lohmann
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"Thema des Monats: Interview mit Jean-Marc Brimont, Geschäftsführer von Natran Deutschland"

Seit Dezember 2024 ist Jean-Marc Brimont Geschäftsführer von Natran Deutschland. Als er anfing, lautete der Name des Unternehmens noch GRTgaz Deutschland. Der neue Name, der Ende Januar 2025 eingeführt wurde (energate Gasmarkt 03/25), ist programmatisch und mit einem neuen Claim verbunden: „Am Puls Eurer Energien”. Dahinter steht zudem ein ambitioniertes Unternehmensprojekt: Natran 2030. Die Infrastruktur des Unternehmens soll in den Mittelpunkt der Energiewende im Gassystem gestellt werden und die CO2-Neutralität bis 2050 unterstützen. Natürlich habe ich mit Herrn Brimont im Rahmen unseres Interviews über diesen Strategie- und Mentalitätswechsel des Unternehmens, der durch den Namen symbolisiert wird, gesprochen. In gewisser Weise verkörpert auch Herr Brimont diese neue Mentalität. Er arbeitet seit mehr als 20 Jahren für Natran und die Vorgängerunternehmen, hauptsächlich im Infrastrukturbereich. Bevor er Geschäftsführer der deutschen Tochtergesellschaft des französischen Infrastrukturbetreibers wurde, war er unter anderem für H2med zuständig. Er war Projektleiter des ehrgeizigen europäischen Wasserstofftransportprojekts der fünf Übertragungsnetzbetreiber REN (Portugal), Enagas (Spanien), Natran und Teréga (beide Frankreich) und OGE (Deutschland). Sie wollen einen Wasserstoff-Pipeline-Korridor entwickeln, der Portugal über Spanien und Frankreich mit Deutschland verbindet (Abbildung 1). Im Interview wurde die Bedeutung von H2med für die Zukunft von Natran Deutschland deutlich. Nur der Vollständigkeit halber: Natran gehört zur französischen Engie-Gruppe, einem der größten Energiekonzerne Europas.

energate Gasmarkt: Herr Brimont, Sie sind jetzt seit drei Monaten in Deutschland. Hat Sie etwas an Ihrem neuen Job überrascht?

Brimont: Ich bin seit mehr als 20 Jahren in verschiedenen Funktionen im Infrastrukturbereich tätig. Ich wusste, wie Natran Deutschland arbeitet und was die Herausforderungen sind. Ich war zudem am deutschen Markt interessiert. In meiner letzten Position habe ich das H2med-Projekt geleitet. Deshalb war es konsequent, dass Natran mir die Möglichkeit eröffnet hat, nach Deutschland zu kommen. Es geht vor allem um die Förderung und Entwicklung erneuerbarer und kohlenstoffarmer Gase. In Deutschland bedeutet dies, die Megal in eine wasserstofffähige Infrastruktur zu verwandeln. Ich nehme an, wir werden später noch ausführlicher darüber sprechen.

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2. Rahmenbedingungen

Deutsche Energie- und Klimapolitik nach der Bundestagswahl

Nach der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 überschlugen sich die Ereignisse. Da Sie, liebe Leserinnen und Leser, mit Sicherheit Zeitung lesen, will ich mich auf einige wenige Bemerkungen beschränken: Am 8. März haben sich CDU/CSU und SPD auf ein Sondierungspapier geeinigt, das Grundlage der Koalitionsverhandlungen ist. Für den Gassektor sind dabei folgende Punkte relevant:

• Deutsche und europäische Klimaziele sollen eingehalten werden.

• Bis 2030 sollen Gaskraftwerke mit einer Leistung von 20 GW gebaut werden. Die Anreize dazu will die neue Regierung im Rahmen einer überarbeiteten Kraftwerksstrategie schaffen. Die Kraftwerke sollen an bestehenden Standorten gebaut werden.

• Zu den Potenzialen erneuerbarer Energien, die genutzt werden sollen, gehört auch Bioenergie.

• Sehr schnell wollen die potenziellen Koalitionspartner ein Gesetzespaket beschließen, dass die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid insbesondere für schwer vermeidbare Emissionen im Industriesektor ermöglicht.

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3. Marktentwicklung

Gashandel

Die Preisentwicklung im Day-Ahead-Handel war sehr stark von Nachrichten getrieben. Zentral waren die „Wasserstandsmeldungen” zu einem möglichen Waffenstillstand oder Frieden im Ukraine-Krieg. Die Vision vieler Händler ist dann eine schnelle Zunahme russischer Gaslieferungen nach Europa. Entweder über Nord Stream 2, die – gemäß einem Bericht der Financial Times – von US-amerikanischen Investoren gekauft werden könnte, oder durch eine Wiederaufnahme des Ukraine-Transits. Der Transport über die Jamal-Nord und damit Belarus und Polen wäre Option drei. Unabhängig von jeder Realisierungswahrscheinlichkeit bestimmen mögliche zusätzliche russische Gasmengen offensichtlich das Denken der Händler. Der „Rauswurf” des ukrainischen Präsidenten, Wolodymyr Selenskyj, aus dem Weißen Haus sorgte Anfang März für einen festen Day-Ahead-Preis. Die Vereinbarung zwischen der Ukraine und den USA über einen möglichen Waffenstillstand ließ die Preise sinken. Das „Njet” des russischen Präsidenten Vladimir Putin zu einem allgemeinen Waffenstillstand ließ den Preis wieder steigen. Am 21. März wurde die Gasübergabestation Sudzha an der russisch-ukrainischen Grenze beschädigt. Dies machte eine schnelle Wiederaufnahme des Ukraine-Transits unwahrscheinlicher und ließ den Preis etwas steigen. Erst in der letzten Handelswoche des Monats waren Ermüdungserscheinungen bezüglich der politischen Situation wahrnehmbar. Die Preise bewegten sich seitwärts (Abbildung 3). Das zweite große Thema war weiterhin die Frage der Speicherbefüllung im Sommer. Die finanziellen Händler steigen wohl langsam aus. Long-Positionen für den Sommer wurden in erheblichem Maße abgebaut. Im Spannungsfeld zwischen Geopolitik und Speicherbefüllung dürfte der Markt weiter nervös bleiben.

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Aktuelle Ausgabe des energate Jahresreport Gas

Cover der letzten Ausgabe des energate Jahresport Gas
Jahresreport Gas: Rückblick 2024 | Ausblick 2025

Nach den Turbulenzen der letzten beiden Jahre schaut die Gaswirtschaft 2024 auf vergleichsweise ruhige zwölf Monate zurück. Die Wogen haben sich ein Stück weit geglättet, die Zeiten des reinen Krisenmanagements sind vorerst vorbei. Ereignislos war...

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Häufig gestellte Fragen

Was ist der energate Gasmarkt?

Der energate Gasmarkt liefert Fach- und Führungskräften der Gasbranche aktuelle Informationen und Hintergründe zum deutschen und internationalen Gasmarkt. Das Medium erläutert fachkundig die wichtigsten Entwicklungen aus den Bereichen Markt, Recht, Politik und Unternehmen. Darüber hinaus bietet der energate Gasmarkt Insiderinformationen wie Marktgerüchte und Personalien.

Was ist der energate Jahresreport Gas?

Der energate Jahresreport Gas zeichnet die wichtigste Marktentwicklungen des Jahres nach und gibt einen fundierten Ausblick auf die kommenden Monate. Gasexperte und Insider Dr. Heiko Lohmann analysiert relevante Ereignisse aus Politik, Recht und Regulierung sowie zu Erzeugung, Infrastruktur und Handel. Darüber hinaus informiert der Report über Veränderungen in der Unternehmenslandschaft und zeichnet in Marktberichten Preisentwicklungen nach. Top-Entscheider aus der Branche nutzen den Jahresreport Gas als kompakte Jahreschronik sowie zur Einschätzung künftiger Marktentwicklungen.

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